„Ende einer Ära“ war das Leitwort der Emmaus-Zeitung vor genau 25 Jahren. Gemeint war damit der Abschied in den Ruhestand von Waltraud Frodien als Pfarrerin der Emmaus-Gemeinde und Johanna Werner als Gemeindesekretärin. Von Frau Werner mussten wir uns schon vor 3 Jahren endgültig verabschieden. Nun ist, 3 Tage vor ihrem 90. Geburtstag, auch Pfarrerin Waltraud Frodien gestorben.
Waltraud Frodien kam 1972 zunächst als Vikarin in unsere Gemeinde und blieb als Pfarrerin bis 2001. Drei Jahrzehnte, prall gefüllt mit Arbeit, Ideen und nie ermüdender Tatkraft. Unzählige Menschen wurden von ihr für das Ehrenamt gefischt, angesteckt und begeistert für immer neue Projekte.
Um nur einige aufzuzählen:
Die Ökumene in Eschersheim erlebte eine Blütezeit, auch durch die Zusammenarbeit mit dem gleichalten katholischen Pfarrer Adolf Rohman von St. Josef.
Eine neue niedrigschwellige Gottesdienstform, genannt „Einkehr in Emmaus“ wurde etabliert und in ihrem Ruhestand weiter betreut bis zur Einstellung, auch aus Altersgründen, 2020.
Es war eine herausfordernde und alle Kräfte, auch die der Ehrenamtlichen, stark beanspruchende Zeit. Schwierige Entscheidungen mussten gefällt werden. Dazu gehörte die Aufgabe von 2 Gemeindehäusern und der Verkauf des alten Pfarrhauses mit Gemeindebüro, zugunsten eines Neubaus neben der Kirche. Auch die innere und äußere Sanierung der feuchten Kirchenmauern und Neugestaltung des Kirchenraums. All dies ist nun Geschichte und auch das schöne neue 2001 fertiggestellte Gemeindehaus ist für die heute abnehmende Gemeindegröße und für die personelle und finanzielle Ausstattung inzwischen zu groß.
Es gab aber nicht nur Arbeit. Auch die angenehmen Seiten des Gemeindelebens wurden gepflegt. Freizeiten, Ausflüge, Feste und nicht zuletzt die legendären Gemeindereisen bleiben allen Gemeindemitgliedern und Mitreisenden eine kostbarer Erinnerungsschatz. Auch die langjährigen und in einem Fall noch heute bestehenden Hauskreise sind ohne Waltraud Frodien und ihren unermüdlichen Einsatz und Themenreichtum nicht denkbar.
Waltraud Frodien arbeitete nach ihrer Pensionierung nicht nur für die Emmaus- Gemeinde ehrenamtlich noch viele Jahre weiter. z.B als Vorleserin bei Schwerstkranken im Ev. Hospiz und bis vor einigen Jahren als Gemüseschnipplerin für die regelmäßig angebotene kostenfreie Mittagsmahlzeit bei einer Methodisten-Gemeinde im Nordend.
Erst in den letzten Jahren, als das abnehmende Augenlicht zu ihrem großen Kummer das geliebte Lesen sehr erschwerte und die Kräfte nachließen, zog sie in eine Einrichtung für betreutes Wohnen und in diesem Jahr um die Osterzeit ins Ev. Hospiz für palliative Medizin.
„Hier kann ich bleiben bis ich sterbe“ sagte sie bei einem meiner Besuche. Ob sie fühlte wie kurz diese Zeitspanne nur noch bemessen sein würde? Die Entstehung und Eröffnung des Hospizes hatte sie mit viel Herzblut begleitet und auch im Hauskreis immer wieder von der besonderen Atmosphäre des Hauses erzählt. Mehrfach konnten interessierte Hauskreis- und Gemeindemitglieder an einer Führung teilnehmen.
So ist es zwar sehr traurig, aber auch schön, dass sie an diesem friedlichen Ort am 16.Juli 2026 um die Mittagszeit für immer ihre Augen geschlossen hat.
Die Trauerfeier findet am Freitag, 7. August, um 15 Uhr in der evangelischen Emmauskirche, Alt-Eschersheim 22, statt.